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Wir freuen uns sehr, die dritte Galerieausstellung von Sebastian Diaz Morales (*1975 in Comodoro Rivadiva, Argentinien) bei carlier | gebauer ankündigen zu können. Sebastian Diaz Morales beschäftigt sich in seinen Videos und Videoinstallationen immer wieder mit sprachlichen und visuellen Möglichkeiten des Erzählens. Dabei entwickelt er einen unverwechselbaren Stil, der sowohl von südamerikanischem Avantgarde-Kino, dokumentarischen Vorgehensweisen und Experimentalfilmen beeinflusst ist. Immer wieder arbeitet Diaz Morales mit digitalen Bearbeitungsmöglichkeiten: das ursprüngliche Videobild wird zum Material für eine Praxis, die das Bild zerlegt, verfremdet und neu zusammensetzt. Im Hintergrund seiner neuesten Arbeiten stehen das Ausloten verschiedener Lesarten von Bildern und die Frage, auf welche Weise sie auf Realität verweisen oder diese wiedergeben.

Diaz Morales’ Vierkanal-Videoinstallation „Ring (The Means of Illusion)“ war auf der diesjährigen Sonderausstellung „Art Unlimited“ der Art Basel vertreten und ist nun zusammen mit neuen (Video-)Objekten erstmals in Deutschland zu sehen. Für „Ring (The Means of Illusion)“ stellte der Künstler Sequenzen zusammen, in denen Gewalt als Spektakel ins Bild gesetzt wird: ein Boxkampf, eine Demonstration, eine erregte Menschenmenge. Die Videoaufnahmen wurden so bearbeitet, dass sie nicht mehr auf die gewohnte Weise klar zuzuordnen sind – Diaz Morales hat das Material in schwarz-weiße, gezeichnet wirkende Bilder umgewandelt, die das Ursprungsbild nur schemenhaft durchscheinen lassen. Medienbilder werden wiederholt, verfremdet und damit in Distanz zum Betrachter gebracht. „Ring“ erzählt keine Geschichte, sondern stellt, so Morales, „bildliche Lesarten von Gewalt“ zusammen.

Mit „Simulacrum“ treibt der Künstler die Frage nach den Bezügen zwischen Bild und Bildreferenz ein Stück weiter: Videobilder werden mithilfe von Spiegeln tausendfach gebrochen, der Betrachter sieht das Bild aufgesplittert als bunte Formenansammlung wie dasjenige eines Kaleidoskops. Diaz Morales setzt seine Arbeit an neuen Präsentationsformen von Video in Verbindung mit Objekten fort: das Video ist nicht in der üblichen Black Box oder auf einem Bildschirm zu sehen, sondern integriert in ein Objekt, das auch die Form eines Kaleidoskops aufnimmt. Thematisch kreisen die Bilder um drei Bereiche: Fortschritt, Religion beziehungsweise Glaube und das Fremde oder Exotische. In vier Leuchtkästen entwickelt Diaz Morales die Idee des „Simulacrum“ weiter. Die Bewegungen des Kaleidoskops werden eingefroren: hier ist jeweils ein Videostill zu sehen, das einen Blick auf Einzelheiten eröffnet und dennoch nicht vollständig entziffert werden kann. Der Bildraum bleibt eine Ansammlung von bruchstückhaften Verweisen. Mit dem vierten Leuchtkasten wird auf die Rolle des Betrachters verwiesen - hier ist kein Bild zu sehen, sondern Reflektionen von Lichtstrahlen im Inneren des leeren Kaleidoskops.

Sebastian Diaz Morales
The Means of Illusion