Kunststiftung K52, Berlin

Galerie der Kunststiftung K52 | Joachimstraße 17 / Ecke Auguststraße
10117 Berlin

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artist / participant

press release

Nicolaus Schmidt, MONSIEUR VUONG – Fotografien | 5.12.2015 – 16.1.2016
Galerie der Kunststiftung K52 | Eröffnung am Freitag, 4.12.2015 | 19 – 21 Uhr

Das vietnamesische Restaurant MONSIEUR VUONG in der Alten Schönhauser Straße in Berlin hat einen Trend gesetzt, der sich weit über Berlin hinaus durchgesetzt hat. Das Lokal ist heute ein Hot Spot für Touristen aus aller Welt. Der Berliner Fotograf Nicolaus Schmidt hat vor 10 Jahren die Menschen, die hinter dieser Erfolgsgeschichte stehen, porträtiert.

Visuell wird das Restaurant durch zwei Dinge geprägt, das Orange der Wände und ein (Selbst-)Porträt eines jungen, strahlenden vietnamesischen Mannes – ein Foto wie eine Ikone. Nicolaus Schmidt hat diese beiden Elemente als konzeptuellen Rahmen für seine einfühlsamen Porträts aufgegriffen. Er zeigt die Mitarbeiter des Lokals kurz vor Arbeitsbeginn oder in einer Arbeitspause in genau dem Bildausschnitt des ikonischen Porträts an der Wand - vor einer orangenen Wand.

Niclaus Schmidt arbeitet bei seinen Porträtaufnahmen sehr schnell. Ihm geht es darum, die Menschen in eben der Situation und Stimmung festzuhalten, aus der sie kommen. Eine aufwendige Inzenierung oder eine längere Vorbereitung würde nach seiner Auffassung die Intensität und Eindringlichkeit der jeweiligen Situation zerstören. Die von ihm porträtierten Menschen sollen einfach nur sie selbst sein, egal ob sie vietnamesische Köche in Berlin, Breakdancer in New York oder Dalit-Frauen in einem Dorf am Ganges sind.

In dieser Reduktion auf die Persönlichkeit der Fotografierten, aus einer überlegten Auswahl der Aufnahmsituation entstehen so sehr präzise Porträts, die die jeweilige Persönlichkeit gerade im Vergleich genau herausarbeiten. Die unterschiedliche Kleidung, die Mimik und Haltung der Porträtierten ergeben eine Eindringlichkeit, die mit bekannten Porträts der Kunstgeschichte gleichziehen kann, obwohl der Fotograf hier auf alle symbolbeladenen Beigaben verzichtet hat. In diesen Fotografien werden plötzlich kleine Dinge wichtig und aussagekräftig, die Flecken auf dem T-Shirt des Kochs, der ausgefranste Ärmel an der Bluse der Küchenhelferin, die dabei ihre Augenbrauen kunstvoll und präzise wie eine Kalligraphie getuscht hat.

Für die Besucher ist das Orange der Wände einfach nur hip. Tatsächlich hat Dat Vuong, der Gründer des Restaurants, die Farbe ausgewählt, weil sie auf seinen Glauben und die Zeit in einem buddhistischen Kloster verweisen soll. Das Porträt von Dat Vuong zeigt diesen, wie er die Pose seines Vaters aus dem Porträt an der Wand aufgreift, selbstbewußt, mit verschränkten muskulösen Armen. "Papa Vuong", der sich in Saigon Ende der 1950er-Jahre selbst fotografiert hatte, wird von Nicolaus Schmidt in lässig und eleganter Pose gezeigt, in der Hand eine unangezündete Zigarette, er steht inzwischen über den Dingen.

Vater und Sohn sind für ihre politische Haltung nach dem Rückzug der Amerikaner aus Vietnam in Straflagern interniert gewesen, ihre Ausreise nach Deutschland Jahre später stand für einen Neuanfang in einem fremden Land. Dass dieser vollzogen wurde, zeigen die Porträts von Nicolaus Schmidt.

Der Fotograf Nicolaus Schmidt (geb. 1953) lebt in Berlin und hat u.a. in New York, New Delhi, Berlin, Hamburg, Basel und Valencia ausgestellt. Im Kerber Verlag sind mehrere Bücher erschienen, u.a. "Breakin the city" – inzwischen als Standardwerk über Breakdancer im Moma, Metropolitan Museum, Eastman Kodak Museum und vielen anderen Kunst- und Universitätsbibliotheken vertreten bis hin zur National Library of China in Bejing.

Dat Vuong wird zur Eröffnung anwesend sein.