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Über den Unterschied der Gesichtszüge im Menschen. Johann Gottfried Schadow. Guillaume Bruère (GIOM)

Schadow-Haus (Seitenflügel)
Eröffnung am 18. Oktober um 19 Uhr im Innenhof des Schadow-Hauses Einlass ab 18 Uhr. An den Eingängen finden Sicherheitskontrollen statt.

Schadow-Haus (Seitenflügel) Schadowstraße 12-13, 10117 Berlin
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Neben den großen Skulpturen und Werkzyklen, die Johann Gottfried Schadow als Hofbildhauer für die öffentlichen Plätze und privaten Sammlungen in Preußen schuf, arbeitete er Zeit seines Lebens an Lehrwerken zu Anatomie und Physiognomie des Menschen. In Abgrenzung zu den antiken Idealmaßen, die lange Zeit die Kunst bestimmten, interessierte Schadow die Vielfalt der Gesichter und Körper. Er suchte sie in Gemälden, naturhistorischen Sammlungen und auf den Straßen Berlins – und bannte die gefundene Mannigfaltigkeit neben Plastiken und Gemälden vor allem in Zeichnungen, die später im Lehrwerk „National-Physiognomien oder Beobachtungen über den Unterschied der Gesichtszüge und die äussere Gestaltung des menschlichen Kopfes“ zusammengefasst wurden. Anders als viele seiner Vorgänger und Zeitgenossen war Schadow nicht von Exotik, sondern von einem zutiefst humanistischen Ansatz getrieben, das Fremde als Bereicherung und Ausweis von Vielfalt und Fülle zu begreifen und zu vermitteln.

Guillaume Bruère (geboren 1976) ist Zeichner, Maler, Bildhauer und Performance-Künstler. In Frankreich an den Kunsthochschulen von Nantes und Poitiers ausgebildet, entstanden seine ersten großen Werkzyklen in den großen Museen Europas: GIOM – so der Künstlername – zeichnete in der Albertina in Wien, in den Berliner Gemäldesammlungen, an der Vincent-van-Gogh-Foundation in Arles und am Château de Chambord, später im Paula Modersohn- Becker Museum Bremen und an vielen anderen Institutionen vor den Porträts der alten Meister. Er transformierte sie in völlig unabhängige Momentaufnahmen von Menschen, die längst nicht mehr als Individuen von uns erinnert werden, sondern ikonenhaft Teil unseres Bildgedächtnisses und Kulturverständnisses geworden sind. Ende 2015 begann GIOM damit, in der Nähe seines Wohnorts im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg Flüchtlinge zu porträtieren: Menschen aus Syrien, Afghanistan, dem Iran: Alte und Junge, Frauen, Männer und Kinder, Familien, Paare, Einzelne, die in einer der vielen Notunterkünfte Berlins auf Entscheidung über ihren Asylantrag warteten. Dabei sucht er genau wie in den Porträts der alten Meister nach der Würde des Augenblicks, der Essenz der Erscheinung. Er verzichtet auf Attribute und alle erzählerischen Zugaben und vertraut auf das Gesicht als Träger der individuellen Persönlichkeit gemäß der Philosophin Judith Butler: „Auf das Gesicht zu reagieren, seine Bedeutung zu verstehen, heißt, wach zu sein für das, was an einem anderen Leben gefährdet ist, oder vielmehr wach zu sein für die Gefährdetheit des Lebens an sich.“

Weitere Informationen:
Tel. 030-227-32027
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