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WORK HARD – PLAY HARD (2011)
FILMPRÄSENTATION UND GESPRÄCH MIT DER FILMEMACHERIN CARMEN LOSMANN, 21. JÄNNER 2016, 18.30 UHR
IM RAHMEN DER AUSSTELLUNG ANNA WITT „PASSION, POWER, PERFORMANCE“

Das Streben nach Gewinnmaximierung und grenzenlosem Wachstum hat die Ressource Mensch entdeckt. Carmen Losmann hat einen zutiefst beunruhigenden Film über moderne Arbeitswelten gedreht. Die Grenzen zwischen Arbeit und Lifestyle sollen verschwinden. Bei Auswahl, Motivation und Training der Mitarbeiter von morgen wird nichts dem Zufall überlassen. Selbstoptimierung steht auf dem Programm. Der Film heftet sich an die Fersen einer High-Tech-Arbeiterschaft, die hochmobil und leidenschaftlich ihre Arbeit zum Leben machen soll. Einen Chef brauchen die modernen Mitarbeiter nicht mehr, den hat man ihnen schon längst ins Gehirn programmiert. Selbst moderne Büroarchitektur hat nur ein Ziel: den Mitarbeiter und seine Leistung zu optimieren.

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Anna Witt „Passion, Power, Performance“
Ausstellungseröffnung: 26. November, 18.30 Uhr
Zur Ausstellung spricht Hemma Schmutz

Do /Thu, 21.1.2016, 18.30 Uhr: Work Hard – Play Hard (2011),
Filmpräsentation und Gespräch mit Filmemacherin Carmen Losmann

Anna Witts performative Interventionen und Videoinstallationen handeln von der Wiederholung des kulturellen Habitus‘ des Individuums und von jenen stereotypen Konstrukten und deren visuelle Repräsentationen, die von Familienwerten, Alltagspolitiken und den vorherrschenden Kommunikationsmedien der westlichen Gesellschaft determiniert sind.

Die Ausstellung Passion, Power, Performance im Kunstraum Lakeside beschäftigt sich mit dem Arbeitsleben, mit Prozessen der zeitgenössischen Arbeitswelt und der Maximierung menschlicher Ressourcen. Im Verkauf oder im Management geht es nicht mehr um die reine Leistung oder das Produkt, sondern um den Verkauf von Emotionen. In Seminaren werden Emotion Work, Power Posing oder Emotional Selling angeboten, um Souveränität, die Ausstrahlung von Macht oder positives Denken zu maximieren. Das berufliche Auftreten gleicht einer Performance und die ursprüngliche Fähigkeit, Gefühle für einen privaten Zweck zu verwenden, wird zu einer kommerziellen Haltung.

Sixty Minutes Smiling (2014) zeigt eine Gruppe förmlich gekleideter Personen vor neutralem Hintergrund. Die Frauen und Männer könnten der Führungsriege eines Unternehmens angehören. Statisch posierend blicken diese die gesamte Aufnahmezeit von 60 Minuten „immer lächelnd“ in die Kamera. In einem zweiten Videokanal richtet sich der Blick auf die Mimik der Protagonisten. Die im Gruppenbild kaum wahrnehmbaren Details und Gefühlsregungen werden hier sichtbar. Ergänzend dazu zeigt Anna Witt die Arbeit Gleitzeit (2010), in welcher eine Geste der historischen Arbeiterbewegung – die erhobene Hand – mit Themen der Selbstverantwortung für den Arbeitsaufwand verbunden wird.

Darüber hinaus entsteht im Zuge der Ausstellung ein neues Projekt in Zusammenarbeit mit den im Lakeside Science & Technology Park ansässigen Firmen.

Hemma Schmutz | Kuratorin
Nora Leitgeb | Koordination und Kunstvermittlung