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Eröffnung: Freitag, 2. November, 18 - 21 Uhr

IMPOSED LOADS AND OTHER MASKED APPEARANCES** Endnoten

1 Auflast_ ist die Betitelung für eine Last/Kraft die auf ein Bauteil oder allgemein auf einen Gegenstand von oben (aufliegend) wirkt. Mittels architektonischer Codes, Bühnenmechanismen und theatralischer Terminologie versieht Iris Touliatou das Gefüge der Galerie mit einer Kombination aus Tot- und Nutzlasten und wirkt so auf das Bauwerk ein.

2 Totlasten umfassen das spezifische, unveränderliche Gewicht eines Gebäudes und dessen unbewegliche, feste Einbauten; Wände, Gipskarton und Fenster. Nutzlasten (auch Verkehrslasten genannt) sind vergleichsweise lebendig, temporär, in Bewegung und atmen unter Umständen auch. 3 Stephen Kane, Künstler (geb. 1970 in Dublin, Irland), wurde erstmals bei einem Text-basierten Projekt von Iris Touliatou vorgestellt. Es wurde vom CURA Magazin (Ausgabe 12, September 2012) in Auftrag gegeben und unter dem Titel Pop Quiz veröffentlicht. Wenig ist über Kane bekannt - seine Verwicklung in diese Ausstellung ist einer Verkettung von Zufällen geschuldet, die Touliatou wie folgt beschreibt: “Im Juni 2011 kaufte ich mir ein gebrauchtes Exemplar von James Joyces Ulysses auf einem Flohmarkt in Athen. An den Seitenrändern gab es handschriftliche Tagebucheinträge und Notizen von einem gewissen Stephen Kane." 4 Stephen Kanes Persona ist zweifellos eine Anlehnung an James Joyces literarisches Alter Ego, Stephen Dedalus. Dieser erscheint als Protagonist und Antiheld des ersten, semi-autobiographischen Romans des Schriftstellers über die künstlerische Existenz, Ein Porträt des Künstlers als junger Mann und schließlich auch in Ulysses. Nach Touliatou wurden Kanes Chroniken in seinem Atelier auf der obersten Etage des MacDonagh Hochhauses kurz vor dem Abriss des Gebäudes 2005 in Ballymun, Dublin geschrieben. Seither fehlt von ihm jede Spur.

5 Stephen Kane, dieser Protagonist eines architektonischen Film noir, dient als Alias der die Prinzipien, die über das eigene Oeuvre Touliatous hinausgehen, untersucht. Diese Suche nach Mitstreitern und Freunden ermöglicht ihr eine gewisse Raumgewinnung oder auch Etablierung einer Bühne, auf der diese dann platziert werden können.

6 Neben Collagearbeiten und Drucken werden Objekte in der Ausstellung präsentiert, die formal an Paravans (Wandschirme) erinnern; eine wiederkehrende Typologie in Touliatous Praxis. Durch den Einsatz nüchterner Materialien wie Glas, Beton, Stahl, Holz und die Replikation modernistischen Vokabulars werden diese Stellwände als Objekte der Architektur wahrgenommen. Halb Materie und halb Darstellung dienen sie als eine Art Rahmenvorrichtung für alles, was durch sie hindurch beobachtet werden kann. Als Ensemble beziehen sie sich auf Konzepte von Existenz und Abwesenheit, Erscheinen und Verschwinden, innen und außen, hier und da, dann und wann... 7 Iris Touliatou beschäftigt sich mit Referenzen aus einer großen Bandbreite historischer Quellen, wie Kino, modernistische Architektur, Bühnenbild und Literatur. Frei von Metaphern, ergibt sich durch ihre Werke ein neuer Kontext für diese Verweise, in dem sie neue Bedeutungen annehmen und neu benannt werden. In einem Prozess, der Assoziationen und Gegenüberstellungen von historischen Fakten aber auch Ungenauigkeiten, fehlenden Informationen, unvollendeten Sätzen und zerrissenen und restaurierten Enzyklopädie-Seiten, ähnelt ihre Arbeit der Form eines Postscripts oder einer “Anm.d.Red.". Ihre multimediale Praxis umfasst das Erzählen als eine Möglichkeit der Vermittlung jüngster Geschichte. So konstruiert sie eine Fiktion von Realität und fokussiert sich auf eine Reihe von komplexen und widersprüchlichen Praktiken, die wir als Modernismus bezeichnen und auf deren wichtigste Akteure. 8 Die Ausstellung wird am 2. November, dem “Tag der Toten", bzw. Allerseelen, eröffnet. Dies ist kennzeichnend für eine weitere Korrelation zwischen Materiellem und Immateriellen und zeigt die ontologische Dimension in der Arbeit der Künstlerin. Touliatous poetische Reenactments benennen gefrorene Momente der Zeit, anstatt einen nostalgischen Ansatz; Statue und Oper zugleich, Beton und Geister. Die Arbeit geht ständig über Grenzen hinweg und hält sich in der Schwebe zwischen Erinnerung und Erwartung, Gesehenem und Vorhergesehenem (oder Verschwundenem); zwischen Tatsache und Hypothese. Auszug aus: DUVE Berlin: Iris Touliatou, IMPOSED LOADS AND OTHER MASKED APPEARANCES (2012) [Pressemitteilung]. 9 IRIS TOULIATOU wurde 1981 in Athen geboren, lebt und arbeitet in Paris und Berlin. Nach Abschluss ihres Studiums an der Ecole Nationale Supérieure des Beaux Arts in Paris wurde ihr 2009 die Künstlerresidenz im Le Pavillon, Laboratoire de Création du Palais de Tokyo in Paris verliehen. 2012 war sie Gewinnerin des Kunstpreises “Europas Zukunft", des Museums für Zeitgenössische Kunst (GfZK), Leipzig. Touliatou's Arbeiten wurden in Einzelausstellungen u.a. in der GfZK, Museum für Zeitgenössische Kunst, Leipzig (2012), bei DUVE Berlin (2011), REMAP KM in Athen (2011) und im Palais de Tokyo in Paris (2010) gezeigt. Außerdem in Gruppenausstellungen in der Galeria Pedro Cera in Lissabon, der Fondation Ricard in Paris; La Galerie, Centre d'art contemporain in Noisy-Le-Sec, bei MOT International in London, im Nationalmuseum für Zeitgenössische Kunst in Athen (2007,2008 und 2010) und vielen anderen namhaften Institutionen. Ibid. 10 IMPOSED LOADS AND OTHER MASKED APPEARANCES eröffnet am 2. November und wird bis zum 14. Dezember 2012 bei DUVE Berlin (Gitschinerstrasse 94/94a, 10969 Berlin) zu sehen sein. Öffnungszeiten der Galerie: Dienstag bis Freitag, 11 - 18 Uhr, Samstag 12 - 16 Uhr und nach Vereinbarung.

*AUFLASTEN UND ANDERE MASKIERTE AUFTRITTE

Iris Touliatou
Imposed Loads And Other Masked Appearances