short biography

Pierre Klossowski (geb. 1905 in Paris, gest. 2001 in Paris) schuf Zeichnungen und Skulpturen und schrieb Romane, Erzählungen, philosophische und theologische Essays. Er zählt zur Gruppe der posthumanistischen, postexistenzialistischen Philosophen und war der Bruder des Malers Balthus.

- http://www.mahagonny-ev.de/e599/e631/e650
- http://de-bug.de/reviews/pierre-klossowski-die-gesetze-der-gastfreundschaft-kadmos/

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Pierre Klossowski wurde am 09. August 1905 in Paris geboren. Seine Eltern waren der Maler und Kunsthistoriker Erich Klossowski und die Malerin Elisabeth Dorothea Spiro. 1917 nahm die Mutter nach der elterlichen Trennung ihre beiden Söhne mit in die Schweiz, wo sie Rainer Maria Rilke traf, mit dem sie eine intime Beziehung führte. Rilke förderte die Kinder und wurde zum geistigen Wegbereiter Pierres. So vermittelte er dem jungen Klossowski 1923 eine Stelle als Sekretär bei André Gide in Paris. 
Bei Gide begann Klossowski das Schreiben. Schon seine ersten Aufsätze über den Marquis de Sade (1925) brachten ihn in den inneren Zirkel der philosophischen und literarischen Avantgarde in Frankreich. Ab 1930 übersetzte er Gedichte von Friedrich Hölderlin sowie Franz Kafka. Es folgten weitere Übersetzungen von Autoren wie Kierkegaard, Hamann sowie Walter Benjamin, später Tertullian, Sueton, Virgil, Nietzsche, Heidegger, Wittgenstein und Paul Klee (Tagebuch). 
1933 besuchte er die Hegel-Seminare von Alexandre Kojève an der Pariser École Pratique des Hautes Études. Hier traf er u.a. auf Maurice Merleau-Ponty, Jacques Lacan, die Surrealisten André Breton und Antonin Artaud, sowie George Bataille, mit dem er bis zu dessen Tod befreundet blieb. 
Zusammen mit Bataille, Paul Éluard und Benjamin Peret arbeitete er in den Folgejahren in der Bewegung Contre-Attaque und im Collège de Sociologie. Zudem schrieb er Essays für die Zeitschrift Acéphale, deren gleichnamiger Geheimgesellschaft er angehörte. 1940 ging er nach Lyon, wo er sich den Benediktinern und den Dominikanern anschloss. 1944 besuchte er die Gruppe Dieu Vivant, der u.a. auch Maurice Blanchot, Albert Camus und Jean-Paul Sartre angehörten. 1945 konvertierte er zum Protestantismus bevor er 1946 katholischer Priester wurde. Im gleichen Jahr lernte er die Widerstandskämpferin, Denise Marie Roberte Morin-Sinclaire kennen, die er im Sommer 1947 heiratete. 
In den Jahren danach konzentrierte sich Klossowski aufs Schreiben. 1950 veröffentlichte er seinen ersten Roman La vocation suspendue. 1965 erhielt er den renommierten "Prix des Critiques" für seinen ,im gleichen Jahr erschienenen, Romat Der Baphomet. 1967 fand in der Galerie Le Cadran Solaire Klossowskis erste offizielle Ausstellung statt, mit der er auch als Künstler Anerkennung fand. 1968 unterschrieb er u.a. zusammen mit Jean-Paul Satre, Maurice Blanchot und Jacques Lacan eine Solidaritätserklärung für die Studentenrevolte an den französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle. 1970 erschien sein Essay 'La Monnaie vivante', in dem er, ausgehend von Marx, Nietzsche, de Sade und der Psychoanalyse eine Theorie und Kritik der Ökonomie entwarf. Im Buch war auch eine Serie "Lebender Bilder" enthalten, die von Pierre Zucca inszeniert und fotografiert wurden. Während der 1970er Jahre beschäftigte Klossowski sich vorwiegend mit dem Zeichnen und seiner Arbeit am Film. So arbeitete er u.a. mit dem Regisseur Pierre Zucca und dem brasilianischen Filmemacher Raul Ruiz, zusammen. 1982 war er auf der documenta 7 in Kassel zu sehen. 
Am 12. August 2001 starb Pierre Klossowski im Alter von 96 Jahren in Paris. 
2006 gab es eine große Klossowski-Retrospektive in der Whitechapel Gallery in London mit weiteren Stationen im Museum Ludwig in Köln und 2007 im Centre Pompidou in Paris.

Zu den Zeichnungen 
Erst sehr spät kam Pierre Klossowski zum Zeichnen. Für eine Sonderausgabe seines zweiten Romans Roberte, ce soir von 1955, (der erste Teil seiner erotischen Roman-Trilogie zum Thema Roberte Die Gesetze der Gastfreundschaft) beauftragte er seinen Bruder Balthus, eine Reihe Illustrationen anzufertigen. Diese erzeugten nicht die gewünschte Wirkung und so fertigte Klossowski selbst eine Reihe Skizzen an. Bekräftigt durch seinen Bruder und befreundete Künstler führte er das Zeichnen fort. 
Seine Blei- und Buntstiftzeichnungen zeigen meist die Gestalt seiner Romanfigur, Frau, Modell und Muse Roberte. 
Ähnlich wie in seinen Romanen drängt sich stets das Thema sexualisierter Gewalt in den Vordergrund: So wird entweder der männlichen Übergriff auf den weiblichen Körper oder aber der Angriff auf den gleichgeschlechtlichen Körper dargestellt. Dabei divergiert die dilletantisch oder naiv wirkenden Malweise mit den erotisch-mythologischen Bildgehalten seiner Kompositionen. 
Die Vielschichtigkeit seiner Darstellungen erinnert an surrealistische Verfahren, mittels derer die Surrealisten versuchten, das Unterbewusstsein bzw. die Macht des Unbewussten zu exponieren und die Erotik als bedrohlich und sinnlich zugleich erscheinen zu lassen. Die Bilder bestehen nahezu gänzlich aus literarischen Verweisen, klassischen Themen der Malerei, antiken Motiven und deren Überkreuzungen mit Sakral- und Renaissancefiguren aus einer an die mittelalterliche Buchmalerei erinnernde Perspektive. Bei Augustinus entdeckte er das Konzept des "theologia teatrica" ebenso wie das Phänomen der Simulakren. Ausgehend von Nietzsche erfolgte eine Auseinandersetzung mit dem Gesetz der Ewigen Wiederkehr, der Parodie und der Theorie des doppelten Scheins. Die Beschäftigung mit Rilke führte ihn zur Bilderwelt des Mittelalters, über Wittgenstein reflektierte er das Verhältnis von Bild–Modell–Wirklichkeit. 
Angelehnt an bekannte mythologische Figuren aus Kunst und Literatur entfaltet sich das Potential seiner Malerei vor allem im Zusammenhang mit seinem schriftstellerischen Oeuvre, wobei er insistierte: “So sind, wie ich schon oft gesagt habe, einige meiner Bücher (Das Bad der Diana, Der Widerruf des Edikts von Nantes und Heute Abend,Roberte -vor dem Baphomet) ursprünglich als Beschreibung von (noch nicht ausgeführten) Gemälden oder Schauspielen (Filmen) entstanden."* 
Madleen Römmer, kunstaspekte 2011

* Klossowski, Pierre: Die Ähnlichkeiten (La Ressemblance). Gachnang & Springer, Bern/ Berlin, 1986. S.58.

bücher
1947 Sade, mon prochain, Essay

1954 Roberte ce soir, Roman

1965 Die Widerrufung des Edikts von Nantes, Roman

1965 Die Gesetze der Gastfreundschaft, Roman

1965 Heute abend Roberte, Roman

1965 Der Baphomet, Roman

1969 Nietzsche et le cercle vitieux

1970 La Monnaie vivante, Essay

2001 Tableaux vivants, Essay

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