short biography

Martin Kippenberger ("Kippy", geb. 1953 in Dortmund/Deutschland, gest. 1997 in Wien/Österreich) war ein Provokationskünstler. Er studierte an der HfBK Hamburg und war Professor an der Städelschule in Frankfurt. Sein vielfältiges Werk umfasst Malerei, Zeichnungen, Grafik, Objekte, Skulpturen, Fotografie, Mixed Media, Multimedia, Installationen, Performances, Poesie, Texte und Publikationen. Er inszenierte eine Reihe von maßgebenden Projekten, wie Kippenbergers Büro, Berlin (1978 von Martin Kippenberger und Gisela Capitain gegründet), Club SO 36 Berlin-Kreuzberg (1979 Geschäftsführer Martin Kippenberger), Die Grugas (Punkband, 1979 von Martin Kippenberger gegründet) oder Luxus (Gruppe, 1979 von Martin Kippenberger, Christine Hahn, Erich Mitchell in New York gegründet).

http://www.gagosian.com/artists/martin-kippenberger

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Martin Kippenberger gehörte zu den vielseitigsten und produktivsten Künstlern der deutschen Nachkriegszeit. Seine Arbeit umfasste neben Malerei, Grafik, Plastik, Installationen, Happenings auch Ausstellungsorganisationen und Buchpublikationen. Er kooperierte häufig mit Künstlerfreunden und bezog gern viele Leute aus der Kunstszene in seine Arbeitsproduktion mit ein. Kippenberger war ein Rebell gegen gesellschaftliche Normen und die Gepflogenheiten im Kunstbetrieb, feierte und trank exzessiv und hielt es nie lange an einem Ort aus. 
Seine künstlerische Laufbahn begann er 1972 an der Hamburger Kunstakademie. Nach dem abgebrochenen Studium ging er nach Berlin. Mit seiner heutigen Nachlassverwalterin Gisela Capitain gründete er dort das „Kippenberger Büro" als deutsches Pendant zu Andy Warhol’s „Factory". 1978 besetzte er den Berliner Club „SO36“ in Kreuzberg, dessen Geschäftsführer er wurde und gründete kurz darauf die Punkband „Die Grugas“. Bei seiner Reise nach New York entstand die Reihe „Lieber Maler male mir“. Kippenberger beauftragte einen Plakatmaler, Porträts von ihm zu zeichnen, die er als seine ausgab, wodurch er den Authentizitätswert dieser Arbeit und damit eines Kunstwerkes an sich hinterfragte. Ab 1983 verschlug es ihn nach Köln, wo erste Skulpturen entstanden. In Köln lernte er den Galeristen Max Hetzler kennen und schloss sich mit Albert Oehlen, Werner Büttner und anderen zu den sogenannten Hetzler-Boys zusammen. In Zusammenarbeit mit Albert Oehlen erstellte er Skulpturen, z.B. „Orgonkiste bei Nacht“ und Ausstellungskonzepte, wie z.B. „Wahrheit ist Arbeit“ (1984 im Folkwang Museum Essen). 1990 reiste er für einen Kuraufenthalt nach Wien, wo er sich von einem Tiroler Herrgottsschnitzer das Multiple „Fred the frog rings the bell“ anfertigen ließ. Diese Darstellung eines gekreuzigten alkoholisierten Frosches ist eines seiner skandalträchtigsten Werke. In der Ausstellung der Kölner Galerie Gisela Capitain im Dezember 1990 erhielt das Objekt den Titel „Was ist der Unterschied zwischen Casanova und Jesus: Der Gesichtsausdruck beim Nageln.“ Im gleichen Jahr wurde er Gastprofessor an der Frankfurter Städelschule. In Frankfurt stellte er u.a. auch bei der Galeristin Bärbel Grässlin aus und zog sich 1992, wie schon oft, zu deren Familie nach St. Georgen im Schwarzwald zurück, um dort an „The Happy End of Franz Kafka's 'America'“ zu arbeiten, einer großen saalfüllenden Installation, die den gleichnamigen unvollendeten Roman von Kafka sinnbildlich abschließen sollte. Die Familie Grässlin baute ein große Sammlung der Werke von Kippenberger auf. 1997 starb Martin Kippenberger in Wien an den Folgen des Alkoholismus. 
Kippenbergers Werk lässt sich als eine kritische Hinterfragung des traditionellen Kunstbegriffs beschreiben. Mit provozierend banalen oder spöttischen Bildfindungen, mit Nonsenstexten und gezieltem Dilettantismus attackierte er die traditionelle und auch seine eigene Kunstproduktion. Dabei nahm er auch seine eigene Person aufs Korn, unterschrieb grundsätzlich mit „Ihr Kippy Kippenberger“, oder tadelte sich selbst mit der Plastik „Martin, ab in die Ecke und schäm dich!“ (1989). Auf den Ausspruch von Joseph Beuys „Jeder Mensch ist ein Künstler!“ reagierte Martin Kippenberger mit „Jeder Künstler ist ein Mensch!“.
Mandy Wölke, kunstaspekte 2011

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