press release only in german

Karl Otto Götz, geboren 1914 in Aachen, gehört zu den bedeutendsten europäischen Künstlern nach dem 2. Weltkrieg. Götz zählt zu den ersten deutschen Künstlern, die internationale Beachtung und Wertschätzung fanden. Wie groß diese Ehre war, kann man nur ermessen, wenn man weiß, daß damals alles, was deutsch war, mit großem Misstrauen betrachtet wurde. Götz ist Mitbegründer von Cobra, der wichtigsten Künstlergruppe der Nachkriegszeit, vergleichbar wohl nur mit den Impressionisten und Expressionisten. Sie ist der einzig legitime Vorläufer der jungen Wilden der 80er Jahre. Die Kunst nach 1945 hatte die künstlerische Integration verloren und brach mit den Traditionen. Der Aufbruch war ein Abbruch der reinen figurativen Malerei. Eine Kunstrichtung kristallisierte sich heraus, die unter dem Begriff Informel bekannt werden sollte. Informel ist synonym für maximale Freiheit in der Kunst, wobei das einzige Thema der Malerei die Farbe ist, die als Energieträger, als Materie dient. Karl Otto Götz hat diese wohl wichtigste Kunstrichtung der 50er Jahre mit initiiert. Er ist diesem Stil bis heute treu geblieben und hat ihn auf sehr persönliche Weise weiter entwickelt. Götz war immer ein progressiver Visionär. In Wort und Bild hat er einen entscheidenden Einfluß auf die Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgeübt. Dies spiegelt sich auch im Werk seiner ehemaligen Schüler wie Gotthard Graubner, Sigmar Polke und Gerhard Richter wider.

Von 1959-79 unterrichtete Götz als Dozent an der Düsseldorfer Kunstakademie. Graubner studierte dort 1959 unter Götz, Richter 1961-63 und Polke 1961-67. Karl Otto Götz hatte einen profunden Einfluß auf das Werk dieser drei weltberühmten Künstler.

Gotthard Graubner, geboren 1930 in Erlbach (Ober-Vogtland), begann sein Lebenswerk in den 50ern. Alle Stile, die wir aus dieser Zeit kennen sind spurlos an den Arbeiten Gotthard Graubners vorübergegangen. Wie kaum ein anderer Gegenwartskünstler hat sich Graubner in seinen ungegenständlichen Bildern mit dem Medium Farbe auseinandergesetzt. Er lässt die Farbe Eigenleben entfalten, unabhängig von gegenständlicher oder thematischer Einbindung. In jedem Werk entwickelt sich aufs Neue die chromatische, manchmal auch polare Spannung der Farben. So entstehen fein differenzierte Farblandschaften, die Farbe und Raum in Gedanken, Begriff und Erscheinung zugleich anschaulich werden lassen. Aus zahllosen Schichten und Lasuren bauen sich seine pulsierenden Bilder auf, die er auch als malerische Organismen betrachtet. Graubners monochrome Kissenbilder thematisieren die Lichtqualität der Farbe: die Nylon-Überspannung ermöglicht feinste Nuancen einer subtilen Farbtonalität und lässt durch ihre weichen Auswölbungen lichtmodulierende Farbräume entstehen.

Sigmar Polke, geboren 1941 im niederschlesischen Oels, ist Miterfinder des Begriffs „Kapitalistischer Realismus“, eine Anspielung in ironischer Weise auf die offizielle DDR-Bezeichnung „Sozialistischer Realismus“ als dortige Kunstrichtung. Dahinter verbarg sich aber auch die kritische Sichtweise auf den Massenkonsum und den fraglosen Optimismus über den Fortschritt. Andererseits sehen sich die Künstler als deutsche Antwort auf die Amerikanische Pop Art. Polkes Werke aus den sechziger Jahren stellten Massenprodukte des alltäglichen Lebens dar wie zum Beispiel Schokolade, Wannen oder Liebespaare. Konsequenterweise verwendet er auch Untergründe aus diesem Bereich wie gängige Tapete oder Stoff. 1963 wechselte Polke zur Technik des Punkterasters, das er grob auflöste ? ein Verfahren, das der Drucktechnik entstammt. In seiner Weiterentwicklung stieß er auf Materialien, die sich auch nach dem Malprozess auf dem Bild verändern und beispielsweise ihr farbliches Aussehen wechseln. Sigmar Polke versteht es in seinen Bildern in witzig-verspielter Weise Gegenstände aus der alltäglichen Lebenskultur mit kunstgeschichtlichen Elementen zusammenzubringen.

Gerhard Richter, geboren 1932 in Waltersdorf in der Oberlausitz, zählt fraglos zu den einflussreichsten und bedeutendsten lebenden Malern unserer Zeit. Sein Werk findet seit Beginn international Beachtung und wurde durch zahlreiche Preise und Auszeichnungen gewürdigt. Seine künstlerische Produktion reicht vom strengen, fotografische Vorlagen verarbeitenden, figurativen Realismus der frühen sechziger Jahre bis zu bunten, gestischen Abstraktionen der frühen achtziger Jahre. Anfänglich wurde Richter in seinem Schaffen von der französisch-amerikanischen Art Informel inspiriert. Zentrales Merkmal ist die Gegenstandlosigkeit, die Richter bis zum Jahr 1962 in expressiver Weise gestaltete. Danach machte sich die Pop Art von Lichtenstein bemerkbar, dessen Arbeitsweise Richter zum eigenen neuen Stil führte. Von da ab beherrschten schwarzweiß und Grautöne seine Werke, die er nach Vorlagen aus Zeitungs- oder anderen photographischen Vorlage anfertigte. Oftmals sind seine Werke von einer typischen Unschärfe versehen. Kaum ein Künstler der Nachkriegszeit hat so viel von seiner Realität in seinen Bildern verarbeitet, so viele ästhetische Konventionen demontiert und rekonfiguriert und so viele Stimmungen registriert.

Die Ausstellung ist nicht nur die Hommage an einen der Wegbereiter zeitgenössischer Kunst in Deutschland, sie erlaubt auch den unmittelbaren Vergleich der so unterschiedlichen Entwicklungen seiner berühmten Schüler und präsentiert ein Stück deutscher Kunstgeschichte.

Pressetext

only in german

Karl Otto Götz
und seine Schüler: Gotthard Graubner, Sigmar Polke, Gerhard Richter